Der neue Weg

Mechanisch bog ich bei der letzten Ampel vor ihrem Haus rechts ab. In meinem Kopf war nur Platz für den einen Gedanken. Ich habe es nicht geschafft. Das Gefühl, das ich dabei hatte, war vernichtend.

Aus und vorbei, dachte ich. Es war so endgültig, dass ich mich in einem richtigen Tunnel befand. Ich fuhr die letzten Meter wie in Trance. Dann stieg ich aus und wusste vor ihrer Haustür nicht mehr, ob ich das Auto abgesperrt hatte oder nicht. Es war mir in diesem Moment auch egal. Ich drückte auf die Klingel und wollte nur noch eines: mit ihr reden. Sie musste mir helfen. Ungeduldig klingelte ich ein zweites Mal und wartete eine Sekunde Ewigkeit lang. Dann machte sie mir auf. Im ersten Moment leuchteten ihre Augen kurz auf, als sie mich sah, um dann sofort in ein betrübtes Lächeln überzugehen. Sie hatte verstanden. Sie sagte nur leise: „Komm rein.“ Ich folgte ihr in die lieb gewordene Küche, die sie mit allerlei Häkelwaren ausgestattet hatte. Ihre Lieblingsfarbe war eindeutig Rot, fiel mir wieder auf und ich blickte auf die Kaffeebecher, die in einem weißen Sideboard gestapelt waren. Ihr fiel mein Blick auf und sie schaltete automatisch die Espressomaschine ein. Noch immer hatten wir kein Wort gewechselt. Ich wusste nicht, wie ich anfangen sollte, doch sie kam mir zuvor. „Die Scheidung ist in 2 Wochen. Robert hat seine Sachen gepackt und ist in ein Hotel gezogen. Wir haben das Haus ab jetzt für uns.“ Dabei strahlte sie mich über das ganze Gesicht an. Das hatte mir in den letzten 24 Stunden gefehlt. Sie konnte mit diesem, ihrem ganz eigenen Ausdruck meine Stimmung um 180 Grad drehen. Sie hatte mandelförmige, braune Augen und eine sehr fein geschnittene Nase, die ihr ein südländisches Aussehen verlieh. „Super“, sagte ich beschwingt, „dann kann ich ja heute gleich hierbleiben.“ „Natürlich, was sonst!“ Dann hatte ich plötzlich die Lösung vor mir. „Morgen suche ich mir einen Job bei der Zeitung. Schreiben wollte ich schon immer, und wenn das eine nicht geklappt hat, dann wird es das andere. Ich schaue wegen einer Stelle, da wird immer was gesucht.“ „Perfekt“, antwortete sie ruhig. „Ich kann mir dich sehr gut als Journalisten vorstellen.“

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert